3. - 19. Mai 2024

Nicola Feuerhahn & Erasmus Leinweber: The room is never empty, the past is yet to come

Poster: Nicola Feuerhahn

In einem seiner Spätwerke, dem Timaios, begründete der griechische Philosoph Platon das Konzept der Weltseele. Nach dem dort erzählten Mythos entstand die Weltseele zusammen mit dem Kosmos aus reiner Notwendigkeit heraus: Anders konnte der Weltschöpfer aus dem Chaos der bereits vorhandenen Materie keine Ordnung schaffen. Die Erschaffung und Beseelung des Kosmos ist hier im Grunde eine sehr akribische Aufräumaktion, eine Aneinanderreihung physikalischer Phänomene und chemischer Prozesse, die letztlich dem Universum selbst Vernunft und Bewegung einpflanzt. Und diese Prinzipien, so die Idee, kommen in den Individuen, die den Kosmos bewohnen, bruchstückhaft wieder zum Ausdruck.


Bild: Erasmus Leinweber

Erasmus Leinweber ist fasziniert von der Idee der Beseeltheit der Dinge, und den Analogien von Makro- und Mikrokosmos. In seinen Malereien sucht er nach diesen inneren Welten, Seelen, und in der Malerkapelle, die früher für Begräbnisse genutzt wurde, sucht er spezifisch nach den Seelen, die sich nach dem Ableben des mit ihnen verbundenen Körpers eventuell neue Reviere erschlossen haben. Vorbildhaft für seine Farbwahl war dabei der nahegelegene Kaiserdom.

Bild: Nicola Feuerhahn

Auch aus dem alten Griechenland stammen viele der Denkkonzepte, denen sich Nicola Feuerhahns Arbeiten widmen. Ihr besonderes Augenmerk gilt häufig dem romantischen Eros und den diesen Komplex umgebenden Ritualen und Gedankenkonstrukten.
Feuerhahns vornehmlich bildhauerische Arbeiten aus Glas, Kunststoff und Keramik, kleine, bewusst an den Kitsch angrenzende Skulpturen, wirken verletzlich und nackt. In der Malerkapelle ist es eben diese Verletzlichkeit, mit der sie sich beschäftigt: Welche Transformationsprozesse durchlaufen wir nach einer emotionalen Verletzung, nach einem Verlust, einem Bruch, einer Kränkung des Eros, welche Rolle spielt Authentizität bei dieser Auseinandersetzung mit dem verwundeten Selbst?

Bild: Nicola Feuerhahn

Feuerhahn und Leinweber haben beide ein Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig absolviert. Ihre sonst sehr unterschiedlichen Herangehensweisen überschneiden sich thematisch: Die Sichtbarmachung des Flüchtigen, kaum Wahrnehmbaren, Unsichtbaren und Vielleicht-Nie-Dagewesenen nimmt eine zentrale Rolle in ihren Arbeitsprozessen ein.

Vernissage: Freitag, 3. Mai, 17 Uhr
Öffnungszeiten: Sa + So, 15-18 Uhr und nach Vereinbarung


14. - 29.10.2023

Förderkreis Malerkapelle: Happy?

Vernissage: Freitag, 13. Oktober 2023, 17 Uhr
Ort: Malerkapelle am Elm, Samuel-Hahnemannstraße 5, 38154 Königslutter
Öffnungszeiten: Sa & So, 15-18 Uhr


Am Freitag, den 13.10.2023 um 17 Uhr, eröffnen wir unsere letzte Ausstellung für dieses Jahr: "Happy?", unsere Mitgliederausstellung mit Arbeiten von Gabriele Sprenger, Katrin Schmidt, Oona Scheepers, Christine M. Kaiser, Barbara Potas, und Hendrik, Lino & Luitgard Heissenberg.
"Happy?" präsentiert ein breites Spektrum an Arbeiten: Katrin Schmidt erstellt eigens für die Ausstellung eine große, abstrakte Wandmalerei. Gabriele Sprenger zeigt ihre filigranen "Baumgesichter", fein gezeichnet mit Bleistift und Ölkreiden. Hendrik & Lino Heissenberg präsentieren neue filmische Arbeiten, die mal wortlos, mal essayistisch kleinbürgerliche Identitätskrisen dekonstruieren. Christine M. Kaiser stellt Objektkunst aus, Barbara Potas präsentiert figürliche Skulpturen, vornehmlich weibliche Akte. Oona Scheepers stellt gegenständliche, farbenfrohe Zeichnungen und Malereien von Tieren und Landschaften aus. Luitgard Heissenberg zeigt zwei neue Fotoserien, "Die neue Steinzeit" und "Die vier Jahreszeiten", die sich kritisch mit zeitgenössischer Gartenarchitektur auseinandersetzen. Wer die Bilder in die richtige Reihenfolge bringt, gewinnt dafür eine Samenbombe!

Mit "Happy?" verabschieden wir uns nicht nur in den Winter, sondern wir sagen auch Goodbye zur Malerkapelle in ihrem jetzigen Zustand - ab nächstem Jahr wird renoviert! Dass es soweit kommen konnte, liegt besonders am Engagement der Mitglieder, dem Interesse der Königslutteraner*innen und Besucher*innen von außerhalb - u.a. viele Braunschweiger*innen und Hannoveraner*innen haben den Weg zu uns gefunden -, und an den schönen, schrägen, speziellen Ausstellungen, die seit zwei Jahren unserer lieben alten Friedhofskapelle wieder neues Leben eingehaucht haben. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.

Die Ausstellung ist geöffnet vom 14. bis 29. Oktober, jeweils Samstag und Sonntag von 15-18 Uhr. Am Sonntag, den 29. Oktober, ist Finissage von 15-18 Uhr mit Tee, Kaffee, Kuchen, und Kunstmarkt! Sowohl einige ausgestellte Werke als auch extra von den Künstler*innen mitgebrachte kleine Arbeiten können dort für wenig Geld erstanden werden.


16. - 30.09.2023

Jie Jie Ng & Neha Thakar: Noch eine Eröffnung

Bilder: Thakar, Ng

Vernissage: Sonntag, der 10. September 2023, 15 Uhr
Ort: Malerkapelle am Elm, Samuel-Hahnemannstraße 5, 38154 Königslutter
Öffnungszeiten: Sa & So, 15-18 Uhr
Zine: Here!

„Noch eine Eröffnung“ in der Malerkapelle: Am Sonntag, den 10. September um 15 Uhr eröffnen Jie Jie Ng und Neha Thakar.

Jie Jie Ngs neue Videoarbeit befasst sich mit unserer Beeinflussung durch all die virtuellen Realitäten, die sich um uns herum manifestiert haben. Social Media ist ein Chor mannigfaltiger Stimmen, die allesamt nach unserer Aufmerksamkeit heischen, sodass es uns mitunter schwerfällt, undere eigene innere Stimme zu hören, für die wir Stille benötigen. Die Arbeit untersucht die verschwommenen Grenzen zwischen den Realitäten in unserem Bewusstsein; mächtige Strukturen, die uns manchmal kontrollieren und auch in vermeintlich technologiefreie Räume und Ebenen verfolgen.
Ng wurde in Singapur geboren und hat an der HBK Braunschweig und der University of Michigan Ann Arbor studiert. 2016 wurde sie mit dem Meisterschüler*innen-Preis der Hochschule ausgezeichnet. Ihre Videoarbeiten wurden unter anderem beim Ann Arbor Film Festival, dem DOK Leipzig, dem Kasseler Dokfest und im Kunstverein Wolfsburg präsentiert. Daneben ist sie auch aktive Musikerin, was ebenso ihre künstlerische Arbeit inspiriert.
Neha Thakar kommt aus Gujarat in Westindien. Prozesse und Verschiebungen innerhalb globaler Kontexte stehen im Fokus ihrer Arbeiten ebenso wie die Neubearbeitung und -evaluierung von Traditionen und Mythen, spezifisch solchen, die sich mit dem Thema Wasser auseinandersetzen. Während ihrer intensiven künstlerischen Recherche untersucht sie durch dieses Element, längst ihr Medium geworden, geopolitische Zusammenhänge im Hinblick auf Gesellschaft, Migration und Identität. Darüber hinaus fasziniert sie das Wasser in seinen verschiedenen Aggregatzuständen als Metapher für Transformation. In der Malerkapelle wird sie die Arbeiten „Matsya“ und „Another door“ zeigen. „Matsya“ beschäftigt sich mit den Dashavatara, den zehn Avatara des Hindu-Gottes Vishnu, und dem damit verbundenen Akt des Erschaffens und Improvisierens. „Another door“ wird eine ortsspezifische Installation, die sich mit religiöser Architektur als Träger von Hoffnung auseinandersetzt, hier mit besonderem Blick auf Migranten in Deutschland.


12. - 27.08.2023

Heekeun Kim & Esra Oezen: Re:Join

Bilder: Kim, Oezen

Vernissage: Freitag, der 11. August 2023, 17 Uhr
Ort: Malerkapelle am Elm, Samuel-Hahnemannstraße 5, 38154 Königslutter
Öffnungszeiten: Sa & So, 13-18 Uhr
Zine: Hier!

Die dritte Ausstellung in der Malerkapelle im Jahr 2023 präsentiert die Arbeiten von Heekeun Kim und Esra Oezen, die erstmalig gemeinsam 2022 in der halle 267 - städtische galerie braunschweig ausgestellt haben und nun wieder zusammenarbeiten.

Kims Arbeiten sind grundsätzlich ortsspezifisch und nur leiblich erfahrbar: Man muss in ihnen sitzen, sie betreten, oder umgehen – sie anzuschauen reicht selten aus, um ihrer Dimension und Wirkung gewahr zu werden. Das Publikum wird aktiv in die neu geschaffenen oder umgebauten temporären Orte integriert, was ihnen eine soziale Funktion verleiht, die in der Gemeinschaft herausgearbeitet werden muss; dies geschieht weniger durch Worte und Erklärungen als vielmehr durch Gesten, Blicke, Bewegungen, durch Nachahmung und Reaktion.
Ausgangspunkt von Kims Installationen und performativen Aktionen ist häufig die Lücke: die Frage danach, was an einem Ort fehlt.

Oezens Arbeiten hingegen sind mobiler und wirken durch ihre zurückhaltende Ästhetik zunächst deutlich weniger monumental, doch das Gegenteil ist der Fall: In den (fast) weißen Seiten ihrer Künstlerbücher, auf den (fast) leeren Bildschirmen ihrer Videoinstallationen manifestieren sich Fragen und Auseinandersetzungen mit Themen, die für die Kunst im Speziellen und unseren Umgang mit Bildwelten im Allgemeinen fundamental sind: Wie stellt man etwas Nicht-Vorhandenes, Nicht-Geschehenes dar? Wie macht man Abwesenheit erfahrbar? Ist Wiederholung überhaupt möglich – und im Gegenzug: Gibt es überhaupt etwas Einzigartiges? Gerade die zunächst verhalten erscheinende Reduktion auf das Wesentliche verleiht Oezens Arbeiten eine diffuse Allgemeingültigkeit, ohne dabei einen platten Statement-Charakter anzunehmen.

In „Re:Join“ erforschen die beiden Künstlerinnen die Idee, Vergangenheit und Gegenwart oder getrennte Elemente wieder zusammenkommen oder sich verbinden zu lassen. Die Ausstellung befasst sich mit der Rekombination von Information, um neue Bedeutungen zu schaffen und die Interaktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu ermöglichen.


02. - 23.07.2023

Lea Schürmann: Endless Sleep

Bilder: Schürmann

Vernissage: Sonntag, der 2. Juli 2023, 15 Uhr
Ort: Malerkapelle am Elm, Samuel-Hahnemannstraße 5, 38154 Königslutter
Öffnungszeiten: Sa & So, 12-18 Uhr und nach Absprache
Zine: Hier!

Für die zweite Ausstellung in der Malerkapelle in diesem Jahr wird die Hannoveraner Künstlerin Lea Schürmann eine immersive Rauminstallation realisieren, in der sowohl paranormale Logiken eine Rolle spielen, als auch Zitate aus populären Fiktionen und persönlichen Traumwelten in Erscheinung treten. Schürmann beschäftigt sich mit grenzüberschreitenden Momenten, in denen Traum- ins Wachgeschehen eingreift, Erinnerungen rekonstruiert oder Erfahrungen gemacht werden, die zunächst unerklärlich scheinen. Welche Muster und Codes brauchen wir, um Realität in vorhersehbare Bahnen zu lenken? Und was passiert, wenn diese Muster unerwartet gebrochen werden?

Es wird um Fragen und Ängste gehen, die aus dem drohenden ökologischen Kollaps der uns bekannten Welt resultieren, und darum, welche Rolle Geister dabei spielen. Der Titel „Endless Sleep“ spielt auf widerstrebende Gefühle der Sehnsucht und Angst als Kernelemente der Ausstellung sowie Schlaf als Moment des Kontrollverlusts und Vorboten des Todes an.

Geplant sind u.a. Objekte, die Geistern als Ein- und Ausgang in die Ausstellung dienen und eine Soundarbeit, die mittels Körperschallwandlern zu hören sein wird. Im vorderen Saal wird eine Pavillonarchitektur gemeinsam mit einer großflächigen Bodenarbeit ein zentrales strukturierendes Element bilden.

Lea Schürmann (*1989, lebt u. arbeitet in Hannover) studierte von 2013 bis 2019 an der HBK Braunschweig und der Malmö Art Academy in Schweden u.a. in den Klassen von Hartmut Neumann und Anne Pöhlmann und schloss 2019 mit dem Diplom bei Raimund Kummer ab. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Schweden gezeigt.  Sie erhielt u.a. das Jahresstipendium 2022 des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.


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