22.5. – 7.6.26
Anita Marijana Bajic & Jette Held: Flusskörper - Körperwasser

Bild: Jette Held & Anita Marijana Bajic
Anita Marijana Bajic studiert Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Jette Held studierte ebenfalls an der HBK. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet.
Grußworte sprechen Alexander Hoppe, Bürgermeister der Stadt Königslutter, und Saskia Hoog, stv. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Leader-Region Elm-Schunter.
23.5.26
Großes Eröffnungsfest am Ehrentag
Am Samstag, 23. Mai, dem ersten bundesweiten Ehrentag, möchte der Verein die Wiedereröffnung mit einem großen Fest für alle von 14 bis 18 Uhr feiern. Der Kunstverein hat alle Vereine und Initiativen in der Stadt eingeladen, sich zu präsentieren und zugleich den Geburtstag des Grundgesetzes feiern.
Bei diesen Programmpunkten können alle mitmachen:
Lesung für Kinder (14-16.30 Uhr): Der Kinderbuchautor Klaus Walter aus Königslutter liest aus seinem Märchenbuch „Soli Luna und die bunten Steine“ und malt mit Kindern. Es muss nichts mitgebracht werden.
Kalligrafie schreiben (14-18 Uhr): Die chinesisch-stämmige Künstlerin Yingmei Duan zeigt Gästen, wie diese ein Wort, das ihnen wichtig ist, als Kalligrafie schreiben können. Es muss nichts mitgebracht werden.
Offene Schreibwerkstatt (16-18 Uhr): In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Literatur der Braunschweigischen Landschaft erlernen die Teilnehmenden grundlegende Techniken des kreativen Schreibens über Kunst. Schreibutensilien bitte mitbringen.
Das steht noch auf dem Programm:
Kaffeekränzchen für Demokratie (14-18 Uhr): Die „Omas gegen Rechts“ bieten Kaffee und Waffeln.
Meditatives Konzert (15-16 Uhr): Die Taize-Musikgruppe der katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Königslutters singt und musiziert.
Initiativen wie das FrauenKulturMuseum und die Machbar Königslutter stellen sich vor.
Der Eintritt und die Teilnahme an den Mitmachaktionen sind kostenlos. Spenden sind willkommen.
14. Oktober 2025
BREAK: 2. Filmfest der Malerkapelle
Wann: 14. Oktober 2025 um 19 Uhr
Wo: Kammerlichtspiele Königslutter, Braunschweiger Straße 36
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
nicht barrierefrei

Die Hauptpreisträgerin Rebekka Beischall
Nachbericht von Luitgard Heissenberg:
Experimentalfilm? Da winken die meisten sofort ab: Nein danke, das ist mir zu abgehoben. Die 50 Besucherinnen und Besucher des zweiten Filmfestes des Fördervereins Malerkapelle Königslutter am 14. Oktober wurden eines Besseren belehrt: Experimentalfilme können witzig sein, berührend und sogar sehr gut verständlich.
Der Verein, der zeitgenössische Kunst in den ländlichen Raum tragen will, hatte die Teilnahme ausgeschrieben und Beiträge von 11 FilmemacherInnen aus der Region für den Abend in den Kammerlichtspielen Königslutter ausgewählt. Das Motto des Mikro-Experimentalfilmfestes, „Break“, lässt sich übersetzen in Bruch oder Pause. Zwei Filme trafen das Motto aus Sicht von Lino Heissenberg, amtierender Vereinsvorsitzender, und Filmfest-Kurator Hendrik Heissenberg so gut, dass sie preisgekrönt wurden. Rebekka Beischall zeigt in ihrem leisen Zeichentrickfilm die Verlorenheit nach einem Verlust – sie erhielt den Hauptpreis. Takashi Kunimoto dokumentiert mit seinem bewegenden Kurzfilm seine Trauerarbeit nach dem Tod des Vaters – dafür bekam er einen Sonderpreis.
Der Sonderpreis-Gewinner Takashi Kunimoto
Welche Themen interessieren die FilmkünstlerInnen, die teils noch an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig studieren? Das funktionelle Leben in einer Trabantenstadt wie den Betonsilos von Wolfsburg-Westhagen hinterfragte Lucie Mercadal humorvoll absurd. Seine Sorge um die Sicherheit der Atomendlagerung thematisierte Daniel Kuge in kühlen Bildern und prägnanten Texten. Und Sommar Lee ging es um Sex mit einem Lavendel und anderen Pflanzen. Eine besondere Erwähnung verdient der Beitrag der Jugendfeuerwehr Süpplingenburg, der außer Konkurrenz lief. Die Kinder und Jugendlichen hatten sehr professionell einen Film gedreht über eine Rettungsaktion für einen Jungen, der sich im Wald einen Fuß gebrochen hatte. Ein Beitrag, der dazu einlädt, der Jugendfeuerwehr beizutreten.
Möglich wurde der anregende, rundum gelungene Abend durch die Zuwendungen der Bürgerstiftung Ostfalen, der Volksbank eG Wolfenbüttel sowie Sarinas Bücher- und Spieleparadies.
Lino und Hendrik Heissenberg können sich ein weiteres Filmfest in dem wunderschönen Art-Déco-Kino in Königslutter vorstellen.
Mit Filmen von: Borys Mysakovych, Sommar Lee, Sophia Sprungk, Lucie Mercadal, Charlotte Kremberg, Takashi Kunimoto, Franziskus Bries, Alice Skenderi, Rebekka Beischall, Daniel Kuge, Louisa Schrimpf und der Jugendfeuerwehr Süpplingenburg.
27. - 28. Juli 2024
Film- & Sommerfest: RUINEN
Still aus "PROTOKOLL 4000. TAG 17.103 163,88 AE" von Yannick Averdiek, Johanna Altgaßen, Andreas Metternich, Anna Yola Darmstädter
Beginn Sommerfest: 17 Uhr
Beginn Filmprogramm: 18 Uhr
Wiederholdung Filmprogramm: Sonntag, 14-18 Uhr
Am Samstag, den 27.07.2024 um 17 Uhr, veranstalten wir vor der Umbaupause ein ganz besonderes Sommerfest: Gastkurator Hendrik Heissenberg hat Arbeiten von Studierenden und Alumni der HBK Braunschweig für unser erstes Filmfest ausgewählt. Unter dem Titel RUINEN zeigen über ein Dutzend junger Filmkünstler poetische, experimentelle, schräge, politische und trashige Kurzfilme in unserer lieben alten Kapelle, die wir damit auch hoffentlich in ihrem Zustand als "Ruine" bis zur Wiedereröffnung verabschieden können.
Still aus "Die letzte Schicht" von Dana Crasser
Ab 17 Uhr beginnt das Sommerfest mit Buffet und Kunstflohmarkt. Einige der eingeladenen Künstler:innen werden Arbeiten anbieten, ebenso wie Mitglieder des Vereins kleine Kunstwerke und antiquarische Bücher aus ihrem Fundus. Sogar Arbeiten von bekannten Größen wie Joseph Beuys, Harald Naegli und Henry Moore können erworben werden.
Eine Auswahl zu erwerbender Arbeiten. Foto: Luitgard Heissenberg
Ab 18 Uhr beginnt das Filmprogramm: Baufälligkeiten, ruinöse Verhältnisse und Beziehungen, das Sozialgefüge als Ruine, eine Welt, groß oder klein, die in Trümmern liegt, aber auch: Wiederaufbau und -instandsetzung, Renovierung, Neu-Machen. Wir sind ganz begeistert, wie vielfältig die Einreichungen für dieses Fest waren.Viele der eingeladenen Künstler:innen sind anwesend und freuen sich auf ein Gespräch.
Still aus "BELUGA" von Patrick Neugebauer
Am Sonntag wird das Filmprogramm von 14-18 Uhr noch einmal wiederholt.
Bei den eingeladenen Künstler:innen handelt es sich um:
Franziskus Bries @franziskusbries
Caspar de Gelmini @caspardegelmini
Jannis Godisch @rxby36
Patrick Hofman @the1998ph
Enrica Schiffer @e.schifferartist
Vigga Wæhrens
Patrick Neugebauer @schwanpotential
Dana Crasser
Andreas Metternich
Borys Mysakovych
Johanna Altgaßen
Sommar Lee @sommarleee
Mariia Denysenko
Yannick Averdiek @bilder_von_spiderman
Anna Yola Darmstädter
8. - 23. Juni 2024
Philip Nürnberger, Sven-Julien Kanclersky, Nike Kühn, Martin Pöll, Sarah Schmidtlein, Lea Schürmann, Christian Holl: Erste Ruhe
Design: Fabian Schneiker
Die Gruppenausstellung „Erste Ruhe“, kuratiert von Fabian Schneiker und Mia Kleier, versammelt Arbeiten der Künstler:innen Philip Nürnberger, Sven-Julien Kanclersky, Nike Kühn, Martin Pöll, Sarah Schmidtlein, Lea Schürmann, und Christian Holl.
Auf die ursprüngliche Funktion der Malerkapelle als Begräbniskapelle eingehend, reagieren die Künstler:innen auf die auratischen, funktionalen, rituellen, und architektonischen Eigenschaften des Raumes.
So hat Philip Nürnberger eine installative Arbeit konzipiert, die sich eben nicht mit der Angst vor dem Tod beschäftigt, sondern ganz im Gegenteil mit der ebenso angebrachten Angst vor einem unter Posthumanist:innen und Tech-Bros angestrebtem ewigen Leben durch die Möglichkeiten der Digitalisierung: Aus dem Versprechen wird mitunter auch eine FOMO-befeuerte Androhung.
Wichtige Elemente sind dabei die Auseinandersetzung mit Prozessen wie Gamification und Disziplinen wie Game Theory, die im aktuellen sozioökonimschen Klima genutzt werden, um die Finanzialisierung auch der letzten Nische des Privaten voranzutreiben.
Ebenfalls installativ, aber inhaltlich viel zurückgenommener, agiert Sven Kanclersky mit Fly Away/Walking in the Sunshine, einer kleinen, vermeintlichen Dixi-Toiletten-Tür, die nirgendwohin führt: Durch die Unmöglichkeit ihrer Durchschreitung wird der Raum dahinter zum unerreichbaren Sehnsuchtsort, der piktografisch auf der Tür selbst in Reliefform angedeutet wird. Die Hochglanzoptik der Tür konterkariert das sonst alles andere als glamouröse Image mobiler Sanitärsysteme. Farbe und Motiv unterstreichen dabei die Naivität nicht nur des verwehrten Eskapismus, sondern lassen auch genug Raum, um mit eigen Vorstellungen eines idealen Ortes (eines Himmels?) aufgeladen zu werden.
Nike Kühn nun befasst sich nicht mit unserer individuellen Sterblichkeit, noch nicht einmal mit der Sterblichkeit der gesamten Menschheit, sondern mit dem Aussterben an sich. Wenn das 6. große Massenaussterben, durch das die biologische Vielfalt momentan weltweit mit solcher Geschwindigkeit abnimmt, dass sich die Welt in einhundert Jahren kaum modellieren, geschweige denn vorstellen lässt, das Leben auf der Erde dezimiert hat, was bleibt dann übrig? Auf das Überleben welcher Arten kann man hoffen oder gar setzen? Kühn deutet mit ihrer Arbeit nicht in eine definitive Zukunft, sondern verweist auf die Vergangenheit: Beim letzten Mal zählte zu den Siegern vor allem eine Pflanze, die Farne. Zwar erinnern Kühns Objekte – bedruckte Kissen, die zum Verweilen einladen – auch an Leichentücher und den menschlichen Thorax, doch man darf an dieser Stelle nicht zu sehr anthropomorphisieren: Bei diesem Massenaussterben geht es nicht um uns, sondern um ein ganzes Erdzeitalter.
Martin Pölls zurückhaltende, durch ihre Fragmentarisierung an ein Puzzle erinnernde Arbeit schlägt in eine ganz andere Kerbe, obwohl das Motiv Kühns sehr ähnelt. Hart und dunkel, mit Schwarz als Farbe der Trauer, verrät der Titel von „Ode an eine Seerose“, dass wir hier etwas besingen oder zelebrieren, das unter Umständen sogar vom vorliegenden Objekt portraitiert wird: eine Pflanze, vielleicht verstorben, nicht als schlichter Vertreter einer Art abgebildet, sondern durch die poetische Reduktion ironischerweise zum Individuum gemacht. Der Prozess des Werdens und Vergehens bei der Pflanze wurde angehalten. Die Zeit steht für sie still, die Ewigkeit findet ihre Abbildung.
Wir bleiben in der Pflanzenwelt – zum Teil, und ganz, und doch nur größtenteils: Lea Schürmanns und Christian Holls Interesse fokussiert sich auf Landschaften. Der Titel Terrain verweist auf einen Landschaftsbegriff, der neben ökologischen, geographischen, kosmischen und klimatischen u.A. auch zivilisatorische Aspekte und ihre komplexen Verschränkungen miteinander beschreibt. In zeitgenössischen Friedwäldern zeichnet sich eine Sehnsucht ab, den Friedhof nicht mehr als Fast-Nicht-Ort, als an die Zivilisation gekoppelten, aber aus dem Alltag ausgeschlossenen Raum zu behandeln, sondern stattdessen geliebte Körper wieder Teil der Landschaft werden zu lassen. Zu dieser Entwicklung gehört auch die Einsicht, dass der menschliche Körper keine außerordentliche Rolle im Universum spielt – er ist nicht inkompatibel mit den Regeln, nach denen leblose organische Masse chemisch und bakteriell umgewandelt wird. Vielmehr ist er schon immer fester Bestandteil der Prozesse und Wandlungen seiner Umgebung.
Zuletzt zeigt Sarah Schmidtlein eine leichtherzige, durch ihre bloße Existenz als Objekt etwas fassungslos machende Gedenktafel auf Rädern: Mobile Trauer für unterwegs, ideal für den eiligen Menschen von heute, schnell umfunktionier- und verschiebbar im Falle spontaner Tragödien. Nach der Finanzialisierung des ewigen Lebens bei Philip Nürnberger ist es nur logisch, dass die Kommodifizierung der Trauer und des Gedenkens sich auch als dystopische Option anbietet. Das ist ja noch nicht einmal etwas Neues: Trauer als performativer, öffentlicher Act ist eine Realität unserer Medienlandschaft. Im Vergleich zur strengen visuellen Dramaturgie, die Trauernde für den Abschied von geliebten Menschen erlernen und durchhalten müssen, ist Schmidtleins Arbeit durch ihre aufdringliche physische Präsenz, ihre nicht weg-klickbare Realität, fast schon eher ein Schritt in die richtige Richtung.
Vernissage: Freitag, 7. Juni, 18 Uhr
Öffnungszeiten: Sa + So, 15-18 Uhr
3. - 19. Mai 2024
Nicola Feuerhahn & Erasmus Leinweber: The room is never empty, the past is yet to come
Poster: Nicola Feuerhahn
In einem seiner Spätwerke, dem Timaios, begründete der griechische Philosoph Platon das Konzept der Weltseele. Nach dem dort erzählten Mythos entstand die Weltseele zusammen mit dem Kosmos aus reiner Notwendigkeit heraus: Anders konnte der Weltschöpfer aus dem Chaos der bereits vorhandenen Materie keine Ordnung schaffen. Die Erschaffung und Beseelung des Kosmos ist hier im Grunde eine sehr akribische Aufräumaktion, eine Aneinanderreihung physikalischer Phänomene und chemischer Prozesse, die letztlich dem Universum selbst Vernunft und Bewegung einpflanzt. Und diese Prinzipien, so die Idee, kommen in den Individuen, die den Kosmos bewohnen, bruchstückhaft wieder zum Ausdruck.
Bild: Erasmus Leinweber
Erasmus Leinweber ist fasziniert von der Idee der Beseeltheit der Dinge, und den Analogien von Makro- und Mikrokosmos. In seinen Malereien sucht er nach diesen inneren Welten, Seelen, und in der Malerkapelle, die früher für Begräbnisse genutzt wurde, sucht er spezifisch nach den Seelen, die sich nach dem Ableben des mit ihnen verbundenen Körpers eventuell neue Reviere erschlossen haben. Vorbildhaft für seine Farbwahl war dabei der nahegelegene Kaiserdom.
Bild: Nicola Feuerhahn
Auch aus dem alten Griechenland stammen viele der Denkkonzepte, denen sich Nicola Feuerhahns Arbeiten widmen. Ihr besonderes Augenmerk gilt häufig dem romantischen Eros und den diesen Komplex umgebenden Ritualen und Gedankenkonstrukten.
Feuerhahns vornehmlich bildhauerische Arbeiten aus Glas, Kunststoff und Keramik, kleine, bewusst an den Kitsch angrenzende Skulpturen, wirken verletzlich und nackt. In der Malerkapelle ist es eben diese Verletzlichkeit, mit der sie sich beschäftigt: Welche Transformationsprozesse durchlaufen wir nach einer emotionalen Verletzung, nach einem Verlust, einem Bruch, einer Kränkung des Eros, welche Rolle spielt Authentizität bei dieser Auseinandersetzung mit dem verwundeten Selbst?
Bild: Nicola Feuerhahn
Feuerhahn und Leinweber haben beide ein Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig absolviert. Ihre sonst sehr unterschiedlichen Herangehensweisen überschneiden sich thematisch: Die Sichtbarmachung des Flüchtigen, kaum Wahrnehmbaren, Unsichtbaren und Vielleicht-Nie-Dagewesenen nimmt eine zentrale Rolle in ihren Arbeitsprozessen ein.
Vernissage: Freitag, 3. Mai, 17 Uhr
Öffnungszeiten: Sa + So, 15-18 Uhr und nach Vereinbarung